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So, jetzt habe ich mich schon ziemlich auf Spanisch verausgabt, hoffe aber trotzdem noch einen Text hinzukriegen ohne mich zu sehr zu wiederholen.
Obwohl es sicher egal ist, ob ich meinen Alltag heute oder in einem nächsten Eintrag beschreibe, irgend einmal werde ich sicher auf das Thema zurückkommen und das eine oder andere nochmals erzählen, nur auf Deutsch halt. Bitte darum, alle, die sich die Zeit nehmen und auf zwei Sprachen mitlesen schon im Voraus um Entschuldigung.

Prinzipiell hat sich in den letzten fast drei Wochen seit meinem letzten Schreiben nicht viel verändert. Ich habe mich ein bisschen besser eingelebt und auch meine Umgebung scheint sich langsam daran zu gewöhnen, dass von Zeit zu Zeit eine Muzungu durchs Quartier spaziert, obwohl ich natürlich immer noch Attraktion bin und alle zwei Meter grüssen oder meinen Namen sagen muss. Zwischen durch muss ich auch mal freundlich einen Heiratsantrag ablehnen oder Kinder korrigieren, die gern ihr ersten Englischkenntnisse vor mir auf die Probe stellen.
Leider habe ich immer noch nicht viel mehr von der hiesigen Sprache gelernt. Pole Pole (nur mit der Ruhe)irgendmal komme ich bestimmt weiter. Ich bleibe ja vorerst noch eine Weile in der Gegend.

Über die letzten paar Wochen haben wir im Team ein Projekt fertig gestellt, für das Ende dieser Woche der Eingabetermin abläuft. Vor Ostern stand alles noch auf ziemlich wackligen Beinen und deshalb haben wir auch über die Feiertage mehr oder weniger immer gearbeitet. Langsam hat das Projekt dann doch Form angenommen und mit viel Unterstützung, vorallem auch seitens meines Chefs in Spanien, haben wir die Sache schlussendlich sogar noch vor dem Eingabetermin gut über die Bühne gebracht.
Natürlich wird auch hier Ostern gefeiert, die Bevölkerung ist, welcher Religion auch immer zugehörig gläubig und geht zur Kirche oder in die Moschee. Es gibt Katholiken, Protestanten, Muslime und Leute, die irgendwelchen Sekten angehören. Ich habe mir erklären lassen, dass die Personen, die sich dem Kirchengang entziehen von der Gesellschaft allgemein eher schief angeschaut werden. Auch die Tatsache, dass jemand keine Religion hat, beschäftigt die meisten meiner Kollegen und Kolleginnen, fast noch mehr als die Tatsache, dass eine Frau keine Kinder hat.
Laut Daten der Weltbank haben die Frauen in der RDC durchschnittlich sechs Kinder.

Unterdessen ist auch meine Freizeit etwas abwechslungsreicher geworden. Da in Uvira das Unterhaltungsangebot allgemein sehr beschränkt ist, entweder man geht in die Kirche, wie gesagt oder trinkt irgendwo ein Bier. Man kann auch ohne Bier herumsitzen, wo ist eigentlich egal, vor dem Haus, unter einem Baum am Strassenrand… wohin man auch geht, überall sitzen oder liegen Leute.
Mangels vielfältiger Möglichkeiten zur Freizeitgestalung, stellt sich natürlich nicht nur für mich die Frage, was man nach der Arbeit unternehmen könnte. Ich habe herausgefunden, dass eigentlich alle meine Kollegen und Kolleginnen immer sehr gern bereit sind, mich irgendwohin zu begleiten.

Ausserdem bezahlt die Muzung alle Tickets. Da hilft auch nichts, dass meine Vorgängerin den passenden Satz: “ich bin doch nicht die Weltbank” geprägt hat. Muss ja nicht unbedingt eine dieser hohen Institutionen sein….die meisten Leute können sich wohl nur mit Mühe vorstellen, dass eine Weisse nicht als eine Art Weihnachtsfrau in Afrika unterwegs ist…..oder sich zu mindest etwas schwer tut mit dieser Rolle.

Letzten Samstag waren wir in Bujumbura, Buja für Einheimische.

Meine Kollegen behaupteten, dass ich entführt werden könnte, wenn ich allein mit einem Taxi da hinfahre, also haben mich einer der Fahrer und der Personalchef begleitet. Da wir etwas spät starteten und vor Torschluss, also vor 18 Uhr schon wieder über der Grenze sein mussten, hatten wir nicht wirklich viel Zeit. Überdies wollten wir noch einige Einkäufe erledigen, da es in Uvira doch nicht ganz alles gibt und wenn, sind die meisten Sachen hier teurer.

Da wie gesagt fast mein ganzes Team von Zeit zu Zeit um irgend eine Abwechslung froh ist, werde ich aber bestimmt Reisebegleitung für einen nächsten Ausflug finden, um mir die Stadt noch ein wenig genauer anzuschauen. Im Moment ist es ruhig, obwohl offenbar nicht ganz alle Orte zugänglich sind, aus Sicherheitsgründen. Macht also auch Sinn, wenn ich immer Begleitung mitnehme.

Unterdessen habe ich auch erste Expatkontakte geknüpft. Einverstanden, das Ganze beschränkt sich bis jetzt auf zwei Kontakte, das ist vielleicht kein allzu grosser Fortschritt auf diesem Gebiet, reicht aber soweit, dass ich auch mal mit jemandem ausserhalb meiner Organisation ein Bier trinken gehen kann.
Meine erste Bekanntschaft hat ausserdem nichts mit humanitären Angelegenheiten zu tun. Als Inder betreibt er, ganz dem Klische entsprechend, hier ein Business. Meine zweite Bekannschaft ist eine belgische Mama, die schon seit elf Jahren in Uvira lebt und arbeitet.
Mamas und Papas nennt man hier grundsätzlich alle, die älter sind als die Person, die gerade spricht. Meistens bin also ich die Mama. Und um nochmals auf eine Statistik zurückzugreifen:
Laut Zahlen, die die Weltgesundheitsorganisation 2013 lieferte, sind 45% der Bevölkerung der RDC unter 15.

So weit der Bericht von heute. Die Bilder sind von Uvira.

Die Kathedrale:

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Der Friedhof:

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