Für einmal werde ich auf Deutsch und Spanisch über das gleiche Thema berichten. Bis jetzt habe ich mir Mühe gegeben verschiedene Einträge zu schreiben, damit es auch mir selber beim Erzählen nicht langweilig wird.

Ich gehe aber davon aus, dass es deutsche wie spanische LeserInnen gleichermassen interessiert, was genau ich im Kongo treibe, d.h. was eigentlich genau mein Arbeitsauftrag ist. Deshalb mache ich für einmal eine Ausnahme.

Das einzige, was vielleicht bis hier allgemein bekannt ist, ist dass ich einen Vertrag mit einer kleinen spanischen Organisation habe, die mich zur technischen Unterstützung der lokalen Partnerorganisation im Kongo ausschickt.

Die Organisation, die also auf diese Weise zu meiner Gastgeberorganisation geworden ist, ist ebenfalls klein und ihre Projekte richten sich zum grössten Teil an die lokale Bevölkerung in Dörfern in der näheren Umgebung.

Bei der Arbeit geht es in den meisten Fällen darum, die Leute einerseits auf verschiedenen Gebieten zu schulen oder zu Themen wie zum Beispiel Förderung der Frauenrechte, Fiedensförderung etc aufzuklären. Meistens werden diese Schulungen noch mit einer etwas handfesteren Leistung unterstützt, zum Beispiel der finanziellen und technischen Hilfe zum Aufbau einer kleinen produktiven Tätigkeit und Einnahmequelle normalerweise im landwirtschaftlichen Bereich.

Ein Projekt, das gerade am Laufen ist, sieht zum Beispiel vor, Frauen in sechs verschiedenen Dörfern Ziegen zu geben. Eine Starthilfe die ihnen erlauben soll, ihre eigene kleine Zucht aufzubauen.

Nebest Entwicklungsarbeit steht zur Zeit auch noch ein anderes Projekt im Zusammenhang mit Hilfeleistungen an Flüchtlinge aus Burundi in der Ausführung. Seit den letzten Präsidentschaftswahlen vor einem Jahr, ist die Lage in diesem Nachbarland sehr unstabil. In Lusenda, einem Flüchtlingslager etwa 50km von Uvira-town leben zur Zeit rund 17000 Flüchtlinge. Es gibt aber auch Flüchtlinge, die ausserhalb des Camps bei Gastfamilien einquartiert sind.

An diese Leute ausserhalb des Camps hat nun meine Organisation letzte Woche in drei Dörfern Nahrungsmittel verteilt. Ursprünglich war die Verteilung innerhalb des Camps geplant, da aber das Budget beschränkt war und man mit der Hilfe nicht alle Leute erreichen konnte, musste die Aktion umorganisiert werden. Innerhalb des Lagers werden nur Aktionen erlaubt, die alle BewohnerInnen berücksichtigen und nicht unnötige Spannungen verursachen, was ja auch sinnvoll ist.

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Das Resultat war dann auch äusserst positiv. Die Familien, an die schlussendlich die Lebensmittel abgegeben wurden, berichteten, dass sich zum ersten mal überhaupt eine Organisation um sie kümmerte.

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Leider war ich selber nur auf einem Tagesausflug dabei, wo ich ausserdem das Camp in Lusenda besuchte. Mein Chef meinte wohl ich würde den Unbequemlichkeiten einer ganzen Woche Landlebens und der harten Arbeit nicht Stand halten, obwohl es in der offiziellen Begründung nur hiess, die Sicherheitslage könne nicht garantiert werden. Im Süd- wie auch mi Nordkivu sind immer noch bewaffnete Gruppen aktiv. Das ganze Gebiet ums Flüchtlingslager jedoch ist stark militarisiert und die Sicherheit ist deshalb wohl besser garantiert als anderswo. Obwohl es auch böse Zungen gibt, die behaupten, das grösste Sicherheitsrisiko überhaupt seinen die schlecht bezahlten Sicherheitskräfte (Polizei und Armee), die tagsüber für Ordnung sorgen und nachts die Dörfer überfallen.

 

Wie gesagt ist meine Gastgeberorganisation sehr klein. Das Team besteht aus sechs Leuten, die für die Entwicklung und Ausführung der Projekte verantwortlich sind, drei Frauen und drei Männer, zwei Personen für die Finanzen, zwei Fahrer plus das Personal, das für Sicherheit und Unterhalt verantwortlich ist. Alle MitarbeiterInnen kommen aus Uvira oder Dörfern in der Region. Bei der Ausführung der Projekte werden je nachdem zusätzlich Leute angestellt. Ausserdem gibt es auch immer noch Verwandte meines Chefs, die für alle möglichen Arbeiten herbeigepfiffen werden, wie zum Beispiel für meine Verpflegung ausserhalb der Arbeitszeiten, aber auch waschen, bügeln, Schuhe putzen etc. Vor zwei Wochen fragte mich jemand ganz verwundert, was eigentlich Arbeitslose in Europa machen, wenn wir doch alle zu Hause Waschmaschinen haben.

Aber zurück zu meiner Arbeit. Meine Berufsbezeichnung ist Technische Assistentin (Assistante Téchnique), das klingt sehr gut heisst aber nicht, dass sich jetzt alle konkret meine Arbeit vorstellen können.

Zu meinen Aufgaben gehört die Unterstützung und Weiterbildung des Personals in verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel Logistik, Kommunikation, Beschaffung von Hilfsgeldern, knüpfen von internationalen Kontakten etc. Das ist natürlich immer noch eine sehr weit gefasste Beschreibung meiner Tätigkeit. Da mir aber in Wirklichkeit keine konkreten Aufgaben vorgegeben wurden, stelle ich mir mein Programm ziemlich frei selber zusammen.

Am Anfang brauchte ich natürlich erst mal auch etwas Zeit, um mir überhaupt ein Bild meines neuen Arbeitsfeldes machen zu können. Das Hilfreichste während dieser ersten Wochen war wohl, dass eine Kollegin, die vor zwei Jahren hier arbeitete, bereits sehr gute Vorabreit geleistet hat. Meine KollegInnen sind sich die Präsenz einer Assistante Téchnique gewöhnt, das macht die Zusammenarbeit einfach. Mit der Detailplanung, was wir genau machen werden oder können, fange ich eigentlich erst jetzt richtig an. Zwar haben wir schon einige Dinge am Laufen, zum Beispiel einen Englischkurs. Eigentlich wollte ich mich ursprünglich nur mit ein oder zwei Leuten ausserhalb der Arbeitszeiten treffen. Die Idee war, dass sie mir im Austausch Swahili beibringen würden. Schlussenldich hat sich aber die ganze Belegschaft zum Kurs angemeldet ….und ist bis jetzt mit viel Begeisterung dabei!

Und dann bringt natürlich der Alltag ganz allgemein immer wieder Aufgaben die erledigt werden müssen, Mails und Berichte die geschrieben oder übersetzt werden müssen. Letzte Woche habe ich fast ausschliesslich vor dem Fotokopierer verbracht….alles Aufgaben halt, die in den Bereich einer Technischen Assistentin fallen. Ausserdem wurde ich auch in der neuen Küchenordung ziemlich unausgeglichen eingeteilt, so stehe ich fast jeden Tag noch ein paar Stunden in der Küche….zum Thema Küche schreibe ich bestimmt in einem nächsten Eintrag noch etwas mehr.

Zu den Arbeitsbedingungen im Kongo allgemein kann ich vielleicht noch erzählen, dass unbezahlte Arbeit offenbar nicht unüblich ist. Die Leute arbeiten oft für ein warmes Mittagessen und mit einem Lohnversprechen für den Fall, dass das Unternehmen irgendmal Löhne bezahlen kann oder die verantwortliche Person für die Kasse entscheidet, diese bezahlen zu können. Ein klares Arbeitspensum gibt es nicht. Das Personal steht 24 Stunden zur Verfügung, für den Fall, dass der Chef plötzlich unerwartet ein Papier ausdrucken muss oder die Assistante Téchnique mal bis 21 Uhr im Zentrum ein Bier trinken geht. Da wird sie nämlich vom Fahrer begleitet und auch wieder nach Hause gebracht.

Und um mit einem ganz ganz anderen Thema abzuschliessen, kann ich noch berichten, dass ich vor ein paar Wochen in der Kirche war. Einer meiner neuen Arbeitskollegen ist Pastor. Er leitet fast jedes Wochenede in seiner Kirche die Messe. Der Besuch verlief im Prinzip sehr entspannt und auch die Messe war recht unterhaltend, weil viel mehr gesungen als gepredigt wurde. Nur während den letzten vielleicht zehn Minuten, kam etwas unangenehme Spannung auf. Ich hatte bereits Geld in die Kollekte geworfen. Nicht ganz klar darüber, ob die Kirchgemeinde von mir Dollarnoten erwartet, beschloss ich nach Rücksprache mit dem Pastor mit einigen tausend Francs congolais zur Kollekte beizutragen (ca 5 CHF) Unglücklicherweise aber war in der vorangegangenen Woche ein Kirchgemeindemitglied gestorben und der Spendekorb tauchte plötzlich noch ein zweites Mal auf und wir wurden um Geld für die Miete eines Wagens gebeten, damit einige Leute nach der Predigt die Trauerfamilie besuchen gehen konnten. Als einzige withe Lady im Raum, fühlte ich mich natürlich sehr persönlich aufgefordert. Da sich aber die ganze Gemeinde geschlossen dem Spendekorb fern hielt, beschloss auch ich mich taub zu stellen…. schliesslich hat mich ja nicht die Weltbank hierhergeschickt.

Wie gesagt, die Situation war nicht ganz Stress frei.

Und bis hier das Neuste aus dem Kongo.

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Un comentario en “07. Mai 2016

  1. Liebe Veronika
    Ich lese mit Spannung deine Berichte. Auch deinen letzten in beiden Sprachen, vor allem um kein Detail zu verpassen. Ich wurde nicht enttäuscht. Ich freue mich schon jetzt auf deinen nächsten Eintrag.
    Lieber Gruss
    dänu

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