Das hat nun ein wenig länger gedauert als geplant. Ich bitte alle, die sich vielleicht schon Sorgen gemacht haben, vielmals um Entschuldigung.

Eigentlich hatte ich vor, in diesem Eintrag ein wenig allgemein über die DRC zu berichten. Da ich mich aber vor meiner Reise und überhaupt bis jetzt selber wenig eingelesen habe und über den Kongo etwa so viel weiss, wie wohl die meisten anderen DurchschnittseuropäerInnen auch, das heisst praktisch nichts, machte ich mich ganz zu erst auf die Suche nach Lektüre.

In Uvira gibt es weder Buchhandlungen noch Bibliotheken und auch am Kiosk gibt es nichts Lesbares (wenigstens nicht in meinem Quartier). Also beschränkte sich meine Suche aufs Internet und alles, was da aufzutreiben ist. Das sind zum Teil 400 Seiten lange Bücher, spannend zu lesen, aber auch Zeit aufwendig und nicht richtig hilfreich, wenn man seine Kenntnisse in ein para Wochen im Schnellverfahren aufpolieren möchte.

Also griff ich zu Plan B und beauftragte meine KollegInnen damit, in kurzen Texten unwissende EuropäerInnen über ihr Land ins Bild zu setzten. Das Projekt ist noch im Gang. Leider schreiben die meisten nicht sehr gern und dann braucht es immer ein wenig mehr Zeit, bis die Texte stehen. Überdies schreiben einige derart komplizierte Sätze, dass dann das Übersetzten noch mehr Zeit braucht, als die Textproduktion überhaupt.

Und nun noch einige Neuigkeiten : Mitte Mai bin ich endlich aus meiner Bürounterkunft aus- und in ein neues Logis umgezogen. Ich wohne immer noch im gleichen Quartier neuerdings nun aber in einem Hotel. Bis zum Büro sind es zu Fuss etwa 5 Minuten. Morgens kaufe ich unterwegs mein Frühstück, Tschapati (Fladenbrot) und Bananen oder Mandarinen und abends mache ich auf dem Heimweg noch die Einkäufe fürs Abendessen. Das besteht tagein, tagaus aus einer Avocado, Tomaten und Bananen oder Mandarinen. Meistens gibts noch Brot dazu.(Das ist natürlich übertrieben, aber nicht wirklich viel).

Ich weiss noch nicht was ich, einmal zurück in Europa, als erstes auf den Tisch bestellen werde. Ganz sicher aber werde ich eine Zeit lang keine Bananen, Orangen oder Avocados essen. Und auch keinen Reis.

Seit etwas mehr als einem Monat bin ich nun also in einem Hotel untergebracht, das heisst in einem Teil eines Hotels, das zu einer kleinen Wohnung umfunktioniert wurde. Einer der wichtigsten Aspekte, wenn es in dieser Gegend um Wohnungssuche geht, ist die Sicherheit und die, ist in einem Hotel 24 Studen garantiert. Auch sonst ist der Ort besser eingerichtet, als viele Häuser im Dorf. Ich bin am Stromnetz angeschlossen und wenn der Strom einmal ausfällt, wird der Generator eingeschaltet. Das passiert so etwa jeden Tag für einige Stunden. Verschiedene Glühbirnen in der Wohnung funktionieren zwar nur, wenn sie wollen und ich laufe darum immer noch viel mit der Taschenlampe herum.

Wasser habe ich auch. Zwar nicht aus der Leitung, aber die Frau, die auch bei mir sauber macht, schleppt jeden Tag etwa drei Eimer Wasser in den ersten Stock.

Der einzige kleine Schatten bei meinem Umzug war vielleicht, dass ich einem Beamten von der Fremdenpolizei 200$ bezahlen musste. Das Hotel hat mich an meinem Umzugstag versehentlich bei der DGM (Imigration) als Gast angemeldet. Daraufhin haben die Leute meinen Chef auf ihr Amt zitiert und ihm erklärt, dass es ein Gesetz gibt, nach dem AusländerInnen von denen vermutet wird, dass sie im Kongo arbeiten, 150$ pro Monat für das Benutzen der Infrastrukturen bezahlen sollten. (Ein durchschnittlicher Lohn liegt hier bei 100$). Man könne die Sache aber so regeln, dass ich einen finanziellen Beitrag leiste, um mein Dossier zu vergessen.

Ich würde mich ja auch nicht weigern, fürs Benutzen der Infrastrukturen etwas zu bezahlen in der Hoffnung, dass man diese verbessern würde. Glaube aber nicht, dass von Geldern, die dafür eingezogen werden über die letzten Jahrzehnte tatsächlich viel in Infrastrukturen investiert wurde.

Was gibts sonst noch zu erzählen?

Unterdessen liess sich mein Chef dazu bewegen, dass ich bei der Arbeit auf dem Terrain mithelfen kann. Also war ich letzte Woche mit dem Team unterwegs und wir haben in einem Dorf, etwa 15 km von Lusenda dem Flüchtlingscamp, Lebensmittel an Flüchtlingsfamilien verteilt, die ausserhalb des Camps bei Gastfamilien oder sonst irgendwie untergebracht sind.

Ich wurde glücklicherweise nicht entführt und habe, wie mein Chef bei meiner Rückkehr mit Erstaunen feststellte, die Woche auf dem Land auch sonst ziemlich gut überlebt.

Ich glaube nicht, dass sich die Leute hier vorsstellen können, dass es in Europa Leute gibt, die zelten gehen, oder irgendwo auf einer Alp ohne Strom und Wasseranschluss übernachten und das meistens aus reinem Vergnügen!

So, ich habe mich zwar lange nicht gemeldet und es gäbe noch vieles zu berichten, ich will aber den Bericht nicht unnötig in die Länge ziehen. Ich muss ja auch noch die Beiträge meiner KollegInnen übersetzten.

Hoffentlich geht es nicht wieder so lange, bis ich mich zum nächsten Bericht aufraffen kann.

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