Nun sind bereits wieder über zwei Wochen ins Land gegangen, seit wir von unserer Verteilungsaktion im Flüchtlingscamp Lusenda zurück sind….und fast sechs Monate seit ich im Land bin.

Vor einigen Wochen schon hat mein Chef mit einem Bekannten Gespräche aufgenommen, um mein Visum zu erneuern. Letzte Woche wurde die Angelegenheit nun etwas konkreter. Natürlich arbeitet der Mann auf dem Immigrationsbüro, aber diese Institutionen scheinen in dieser Weltgegend immer nur zugänglich, wenn man jemanden kennt der/die da arbeitet oder wenigstens Kontakte hat, die da arbeiten.

Da ich nicht einfach auf ein Büro gehen kann, um die Formalitäten zu erledigen – eventeull liegen da sogar Listen mit offiziellen Tarifen vor – macht mich das immer furchtbar misstrauisch.

Dazu kommt, dass in diesem Land die Startpositionen bei Geschäftsverhandlungen oft meilenweit auseinander liegen. Das heisst, jemand verlangt für einen Dienst 500$. Der ausgehandelte Preis beträgt schlussendlich aber 60$ und der Vertrag kommt trotzdem zu Stande! Man weiss also nie so recht wie und wo mit den Verhandlungen überhaupt anfangen….europäische Preisvorstellungen und Verhandlungsstrategien sind auf jeden Fall fehl am Platz.

Den Leuten hier scheint die Sache aber immer einen Risenspass zu bereiten. Nur wir Bazungu sind halt etwas überfordert!

In diesem Fall verlangte der Mann über 500$. Nach offiziellen Tarifen, die mir zum Glück die kongolesische Botschaft in Madrid zuschicken konnte, liegt der Preis tatsächlich in diesem Bereich.

Ausserdem hat der Mann versprochen, mir zusätzlich noch das CPGL zu besorgen, ein Papier mit dem ich nach Burundi und Ruanda reisen kann und zu dem ich auf dem offiziellen Weg tatsächlich nicht kommen würde.

Über unsere Grossaktion im Flüchtlingscamp habe ich auf Spanisch zlangem und breitem berichtet. Deshalb mache ich es hier eher kurz. Die eigentliche Verteilungsaktion lief über vier anstrengende Tage. Trotzdem haben wir schlussendlich mit Vorbereitungen, Vorbereitungssitzungen und Abschlusssitzungen 9 Tage auf dem Terrain verbracht. Die letzten zwei Tage sogar eher unterbeschäftigt. Da aber alle im Team 5$ pro Tag für die Verköstigung beziehen – für 1,5 $ bekommt man ein gutes Mittagessen – haben wir tapfer bis zum Schluss ausgeharrt. Einige im Team essen über diese Tage nur einmal, um so viel wie möglich zusammen sparen zu können.

..ausser man ist eingeladen. Und dazu reicht mi Kongo offenbar, dass man sich eingeladen fühlt!

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in dieser fröhlichen Tischgesellschaft fühlten sich alle eingeladen, einige von der Muzungu, andere von der Organisation und alle bestellten unbesorgt bis zu viermal Fisch und Bier!

Es hilft auch nichts, wenn man erklärt, es liege ein Missverständnis vor und die Leute zum Zahlen auffordert. Man habe eben nicht gewusst, dass man nicht eingeladen sei….das sei halt kulturell…

Und irgendwer bleibt dann auf der Rechnung sitzen. Weiss nicht, ob das besonders kulturell ist, aber als Überlebensstrategie mag es ja gehen.

In meinen bisherigen Beiträgen habe ich, wie ich festtellte, noch nicht viel über die Flüchtlingskrise geschrieben, ausser dass die Flüchtlinge aus Burundi kommen und wir sie mit Nahrungsmitteln und Kleidern bedient haben.

Bevor ich den Beitrag abschliesse, also noch eine kurze Erklärung.

Auslöser der aktuellen Krise in Burundi war die im April 2015 erfolgte Ankündigung von Pierrre Nkurunziza für eine dritte Amtszeit zu kandidieren. Die Verfassung ebenso wie der Friedensvertrag von Arusha, der im Jahr 2005 das Ende des Bürgerkrieges (1993 – 2005) einleitete, verbietet eine dritte Amtszeit.

Trotzdem weigert sich Präsident Nkurunziza abzutreten, unter dem Vorwand die erste Amtszeit zähle technisch nicht, da seine Wahl 2005 nicht direkt durch das Volk, sondern durch das Parlament erfolgte.

Nach den Wahlen, die von der Opposition boykotiert wurden, liess sich Nkurunziza im Juli 2015 im Amt bestätigen. In der Folge hat sich die sicherheitspolitische Lage im Land dramatisch verschlechtert: gezielte politische Morde, Verhaftungen und tausende Menschen auf der Flucht.

Die Regierung weigert sich trotz Empfehlungen der internationalen Gemeinschaft beharrlich, Friedensgespräche mit der Opposition zu führen.

EU und USA haben ihre Unterstützung für Burundi aufgehoben, ein schwerer Schlag für ein Land dessen Staatshaushalt zu einem grossen Teil von ausländischen Partnern getragen wird. Die Wirtschaft ist seither stark eingebrochen.

Beobachter warnen vor einem erneuten Bürgerkrieg,

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