Vor zwei Wochen begleitete ich mein Team wieder einmal bei der Feldarbeit.

Über die letzte Zeit bin ich nicht oft mitgegangen, da ich zum Unterricht über Ziegenaufzucht in Swahili nicht wirklich viel beitragen kann und auch im Büro immer noch eine Menge zu tun habe.

Diesmal ging es statt Richtung Süden in den Norden, dem Seeufer entlang Richtung Burundi und der Grenze zu Rwanda in eine ziemlich strapazierte Gegend, wie mir schien.

Auf dem Weg erklärten mir meine Kollegen und Kolleginnen zu jedem Ort die wichtigsten Begebenheiten, meistens anhand von weissen Kreuzen am Strassenrand oder einem Denkmal, das an ein Unglück erinnert, zum Beispiel an ein Tanklasterunfall mitten im Dorfkern von Sange, bei dem nahezu 250 Menschen verbrannten, oder an das Massaker von Mutarule, das noch kaum zwei Jahre zurückliegt und auf einen ungelösten Konflikt zwischen drei ethnischen Volksgruppen zurückgeht, die Bafulero, die Barundi und die Banyamulenge, die sich das Acker- und Weideland streitig machen.

Für meine Leute übrigens ganz klar Einheimische auf der einen und Burunder auf der andern Seite, obwohl die Barundi und Banyamulenge seit Generationen in der RDC sesshaft sind. Barundi bleibt Burunder, sogar für Leute die von berufswegen Projekte auf die Beine stellen, deren schlussendliches Ziel ist, das friedliche Zusammenleben zu fördern und ethnischen Konflikten vorzubeugen.

Da es im Auto sehr heiss war, mochte ich aber nicht noch eine hitzige Debatte über Integration vom Zaun reissen.

Wir fuhren auch durch ein Dorf, aus dem sich, wie mir mein Team erklärte, alle Hilfsorganisationen zurückgezogen haben, weil der Ort offenbar von der Armee regiert wird. Tatsächlich standen oder sassen recht viele Soldaten herum.

Zu den Behebenheiten aus der jüngsten Zeit kommen ausserdem noch ältere Geschichten und Opfer dazu, Opfer die nirgendwo ein Denkmal oder Kreuz haben.

Wie auch anderswo im Land entsanden auf diesem Landstrich nach dem Völkermord in Rwanda 1994 verschiedene Flüchtlingslager.

Nach Ausbruch des sogenannten Befreiungskrieges im Congo (damals noch Zaire) wurden diese Lager systematisch angegriffen und unzälige Flüchtlinge umgebracht. Viele Opfer wurden irgendwo irgendwie vergraben oder verscharrt und niemand weiss genau, wieviele Rwander und Rwanderinnen während der ersten Kriegsjahre im Congo ums Leben kamen.

Und dann sind natürlich auch noch die Spuren aus der Kolonialzeit zu finden, eine Bahnlinie oder die Zuckerfabrik von Kiliba, alles längst Ruinen.

An unserem Arbeitsort in Luvungi war es zum Glück friedlich, nur ein bisschen sehr heiss. Wir sind in der Regenzeit, aber es hat noch nicht wirklich viel geregnet. Die Temperaturen liegen bei 32º und die Luftfeuchtigkeit für eine Europäerin über dem gut Vertragbaren.

Ich war froh, dass ich nur als Beobachterin dabei war und deshalb ruhig auf meinem Schulbänkli sitzen bleiben durfte, um dem Unterricht über Ziegenbehausungen, Ziegengeburten und Ziegenkrankheiten zu folgen. Dabei verbrennt man ja nicht viel Energie und schwitzt darum nur das, bei dieser Hitze eben unvermeidliche.

Und nach dem bis jetzt eher ernsten Bericht noch zu den festlichen Nachrichten. Leider steht immer noch kein festes Datum für die Hochzeit. Im Moment sprechen alle vom 19. November. Das Fest wird aber vielleicht noch mal verschoben, da am 19. November ein weiteres mal “ville morte” angekündigt ist. Das ist ein Generalstreik und Anlass, um Kabila die rote Karte zu zeigen, das heisst ihn aufzufordern das Spielfeld zu verlassen und Wahlen zu organisieren.

Die letzten beiden Generalstreiks verliefen in Uvira zwar ohne Zwischenfälle, aber ich weiss nicht, ob die Familie schlussendlich das Datum noch mal ändert. Bis auf ein paar Tage vorher, verlasse ich mich auf nichts. Schauen wir.

Die Garderobe habe ich unterdessen. Vor einer Woche holte ich bei meiner Schneiderin noch das Handtäschchen ab. Sie brauchte etwas lange, um das Futter richtig einzunähen. Jetzt hoffe ich nur, dass ich nicht zunehme, die Bluse ist ohnehin schon sehr knapp geschneidert.

Bilder folgen, fest versprochen!

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